Urbaner Garten

Besuch bei Urbanen Gärten in Nürnberg

Am 29. Januar besuchten wir die Urbanen Gärten „Die Wiese“ und den „Stadtgarten Nürnberg“ mit einer Gruppe von Mitgliedern des OGV Stadt Neumarkt.

Beide Gärten sind unter dem Dach des Umweltvereins Blue Pingu e.V. organisiert.

Die Wiese

„Die Wiese“ ist ein größerer Hinterhof, auf dem ca. 20 Leute gärtnern. Da das Gelände ehemals Ort einer Batteriefabrik war, wird ausschließlich in Gefäßen wie Bäckerkisten und Paletten mit Aufsatzrahmen gegärtnert. Die benötigte Erde wurde wird vom Kompostierwerk Nürnberg bezogen bzw. angeliefert.

Im Mittelpunkt unseres Interesses war die Komposttoilette, welche Melanie, Tischlerin und Komposttoilettenfachfrau dort geschaffen hat. Herzstück der Komposttoilette ist eine Kunststoffwanne, deren Boden perforiert ist. In ihr werden Fäzes und Urin gesammelt, und der Kompostiervorgang beginnt zusammen mit dem trockenen Substrat (hier Sägespäne), von dem nach jeder Benutzung eine Portion zuzugeben ist. Unter dieser „Mischwanne“ befindet sich eine weitere mit Sägespänen befüllte Auffangwanne, die eventuell abfließende Flüssigkeit aufnimmt und abtrocknen lässt, denn dieses Modell macht keine Trennung von Fäzes und Urin.


Ein hoch aufragendes dunkles Rohr dient der Abluft. Im Idealfall entsteht beim Aufwärmen durch Sonnenlicht ein gewisser Sog, der die den Frischluftzustrom und die Abluft abseits des Innenraums begünstigt. So kommt es nicht zu unangenehmen Gerüchen.
Wenn die Wanne gefüllt ist, wird der Inhalt in andere Wannen oder Thermokomposter umgefüllt, und kompostiert so in „Kaltrotte“ insgesamt mindestens zwei Jahre. Dieser lange Zeitraum stellt sicher, dass die entstandene Erde hygienisiert ist, d.h. dass Krankheitskeime, die in den Fäzes eventuell vorhanden waren, verschwunden sind. Schließlich kann die entstandene Komposterde z.B. unter Bäumen, Sträuchern oder für Blumenbeete verwendet werden.

Weitere Aktivitäten im Garten „Die Wiese“ sind die Küche, Aquaponik mit Karpfenbecken und eine Sammelstelle für die dortige SoLaWi, sowie verschiedene Workshops.

Stadtgarten Nürnberg

Der Stadtgarten ist bereits zweimal umgezogen und befindet sich jetzt am Rand des ehem. Quelle Geländes auf ca. 1000 m².
Gegärtnert wird vor allem in Holzkisten, das sind Holzrahmenaufsätze auf Europaletten, die innen mit Bio-Kautschuk Teichfolie ausgekleidet werden. Auf der Unterseite ist jede Holzkiste mit feinmaschigem Gitter als Wühlmausbarriere abgeschlossen. Als Füllung werden dort zuunterst Zweige und grobes Holziges Material verwendet, darüber dann Erde aus dem Kompostierwerk Nürnberg.

Es gibt außerdem ein Gewächshaus für Kulturen wie Paprika, Peperoni und Tomaten, sowie eine geräumige Komposttoilette.

Die Komposttoilette hat ein ähnliches Prinzip wie in der „Wiese“, das Kernmodul ist hier aber fertig gekauft.

Wichtiger Aspekt im Stadtgarten ist, das geerntete Gemüse gemeinsam zu verkochen. Dazu gibt es eine Küche (teils in einem Bauwagen) und viele Sitzgelegenheiten für Kochkurse und gemeinsames Kochen mit geernteten Produkten.

Allgemein möchte der Garten weniger Gemüse in einer Menge produzieren, die den Verbrauch der Mitglieder abdeckt, sondern die Vielfalt der Gemüse zeigen und erlebbar machen. Deshalb werden z.B. ca. 20 verschiedene Kartoffelsorten, viele bunte („Rote“) Rüben und vieles mehr angebaut.